Wenn Helfer Hilfe brauchen: Netzwerk der psychosozialen Versorgung befasste sich mit Thema Suizid

Fachtagung psychozoziale Versorgung

Friedel Harnacke (hinten links, Abt. Suchtmedizin/-Reha) und Monika Stich (vorne 2. von Links, Leiterin des Fort- und Weiterbildungszentrums) sowie Waltraud Bruhne (vonre rechts) zählten zu den Referenten der Tagung. Foto: Kreis Soest

kreis-soestDas Thema Suizid hat für Fachkräfte in der psychosozialen Versorgung eine hohe Aktualität. In Deutschland sterben wesentlich mehr Menschen durch Selbsttötung (2013: 10.076) als zum Beispiel durch Verkehrsunfälle (2013: 3.339). Im Kreis Soest wurden 2006 bis 2014 durchschnittlich 34 Suizide gezählt. „Hilfe – Suizid! Was folgt für meine weitere berufliche Tätigkeit?“ lautete deshalb der Titel der 15. Tagung des heimischen Netzwerks im INI-Kasino in Lippstadt.

Dr. Andrea Gernun, Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Soest, begrüßte rund 130 Teilnehmer aus Einrichtungen und Diensten der psychosozialen Versorgung im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest. Karl Josef Fischer, Psychiatriekoordinator im Hochsauerlandkreis, stellte die Netzwerk AG Hochsauerlandkreis/Kreis Soest vor, die seit 15 Jahren zusammenarbeitet und jährlich eine Tagung organisiert. Da der Kreis Soest in diesem Jahr Gastgeber war, lag die Organisation bei Werner Rosenbaum, Psychiatriekoordinator im Kreis Soest und Mitglied der Netzwerk AG, und Regina Schulte vom Sozialpsychiatrischen Dienst im Kreis Soest.

Die Gesellschaft reagiert auf Suizide in aller Regel mit einer Tabuisierung. Als Risikofaktoren gelten bestimmte psychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie oder Sucht. Auch Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld, Hoffnungslosigkeit und Resignation oder schwierige soziale Situationen wie Isolation, Vereinsamung, Drogenproblematik und Arbeitslosigkeit gehören dazu. „Viele Menschen empfinden in der Zeit vor einem Suizid eine unerträgliche Belastung oder Kränkung, eine Einengung mit der Überzeugung, keine Freiheitsgrade mehr zu haben oder unerträgliche psychische Schmerzen“, weiß Psychiatriekoordinator Werner Rosenbaum.

Was können psychosoziale Fachkräfte tun? Die Referenten Bruno Hemkendreis (Präsident der Deutschen Fachgesellschaft psychiatrische Pflege) und Dr. Christiane Ihlow (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) gaben Informationen zu Suizid und Suizidprophylaxe, aber auch Hilfestellungen für die professionelle Arbeit. Grundsätzlich gilt, dass Hilfemöglichkeiten begrenzt sind. Denn nur etwa die Hälfte derer, die einen Suizid begehen, sprechen vorher darüber. Im Rahmen einer wirksamen Krisenintervention ist zunächst einmal aber jede Suizidäußerung ernst zu nehmen. „Fachkräfte sollten unbedingt eine Beschönigung oder Bagatellisierung der Probleme vermeiden“, fasst Werner Rosenbaum zusammen.

Wie ist der Umgang mit suizidgefährdeten Klienten zu gestalteten? Diese Frage wurde in der von Monika Stich, Sprecherin der Netzwerk AG, moderierten Diskussion aufgegriffen. Aber auch die Belastung für die Fachkräfte und die Konsequenzen daraus wurden thematisiert. Schuldzuweisungen seien fehl am Platze, die Akzeptanz des Geschehenen, das nicht umkehrbar ist, sei wichtig. Auch Rituale und offene Gespräche mit vertrauten Personen sein eine häufig unterschätzte Hilfe für alle Profis.