Weniger Trinken – Neues ambulantes Angebot

Weniger Trinken Rüdiger Holzbach

Dr. Rüdiger Holzbach

patriot-logo-klein„Muss ich wirklich ein Leben lang abstinent bleiben?“ – Fragen wie diese und die damit verbundenen Bedenken führen dazu, dass sich nur etwa fünf bis zehn Prozent der alkoholabhängigen Menschen in Behandlung begeben. Dem möchte die Abteilung Suchtmedizin der Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Lippstadt und Warstein nun mit einem neuen Seminar-Angebot entgegen treten. Beim so genannten „Kontrollierten Trinken“ geht es darum, Strategien zu erlernen, die Trinkmenge in selbst festgelegten Grenzen zu halten.

„Das Modellprojekt ist in der Region bislang einmalig und für uns ein riesiger Meilenstein. Die Patientinnen und Patienten werden nicht länger fremdbestimmt, da ihnen nun nicht ausschließlich die völlige Abstinenz verordnet wird. Sie können vielmehr selbst entscheiden, in welchem Umfang sie ihre Trinkmenge reduzieren möchten“, sagt Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin. Studien hätten belegt, dass der Ansatz sinnvoll sei, wenn auch nicht für jeden Abhängigen geeignet. So sollen mit dem neuen Angebot einerseits Menschen angesprochen werden, die Alkohol in riskanter Weise konsumieren und dadurch gesundheitlich wie auch sozial negative Konsequenzen provozieren, aber auch alle, bei denen eine beginnende Abhängigkeit vorliegt, die zum Beispiel jeden Tag eine bestimmte Menge Bier oder Wein trinken und merken: „Ich habe ein Problem damit.“ Nicht geeignet sei es hingegen bei einer schweren Form der Abhängigkeit oder bei gesundheitlicher Schädigung durch Alkohol sowie für „trockene Alkoholiker“. Dieses ambulante Angebot wird zusätzlich zu den stationären Entzugsbehandlungen an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein installiert, deren Konzept unverändert bleibt.

„Jeder fünfte Bundesbürger trinkt so viel, dass es seiner Gesundheit schadet“, weiß Holzbach. „Doch die allermeisten begeben sich erst in Behandlung, wenn bereits erhebliche soziale oder gesundheitliche Probleme vorliegen.“ Damit es gar nicht erst soweit kommt, soll das zehnstündige Seminar Wege aufzeigen, das eigene Trinkverhalten zu steuern und zu reflektieren. So können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wöchentlich erreichbare Ziele setzen: etwa, an welchen Tagen sie auf Alkohol verzichten und welche Menge sie an den übrigen Tagen trinken möchten. Ein so genanntes Trink- oder Konsum-Tagebuch ermöglicht es ihnen, die tatsächlich konsumierte Menge zu erfassen und zu visualisieren. Auf Wunsch können unterstützend Medikamente eingesetzt werden. Ziel ist es, einen veränderten Umgang mit Alkohol einzuüben, damit sowohl im sozialen Bereich als auch gesundheitlich eine höhere Zufriedenheit erreicht wird.

Wie Holzbach mitteilt, haben die Krankenkassen bereits Bereitschaft signalisiert, das Angebot durch eine Kostenübernahme zu unterstützen. Eine Entscheidung hierüber werde noch in diesem Jahr erwartet.

Das Seminar beginnt am Donnerstag, 5. Februar 2015, und findet danach wöchentlich um 18 Uhr in der Institutsambulanz der LWL-Klinik Lippstadt, Am Nordbahnhof 15, in Lippstadt statt. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein Vorgespräch und die Bereitschaft, sich in der Gruppe offen untereinander auszutauschen. Anmeldungen für das Vorgespräch sind möglich beim suchtmedizinischen Abteilungssekretariat in Warstein unter Tel. 02902 82-5202. Nähere Informationen gibt es auch im Internet unter www.lwl-kurzlink.de/sd10.