Station AL04 der LWL-Klinik Lippstadt bietet spezielles Therapieprogramm für junge Menschen an

AL04

Psychologen und Ärzte des Qualitätszirkels Werl informierten sich über das neue Angebot der LWL-Klinik Lippstadt, das Diplom-Psychologin Claudia Schülbe, Diplom-Sozialpädagoge Martin Berger und Stationsleiter Andreas Scheck (hinten, von links) vorstellten. Pflegedirektor Magnus Eggers (rechts) hieß die Gruppe in Benninghausen willkommen. Foto: LWL

Zu alt für die Jugendpsychiatrie, aber zu jung, um von einer herkömmlichen psychiatrischen Behandlung hinreichend zu profitieren: Wenn junge Erwachsene in eine akute Lebenskrise geraten, stehen Betroffene und die behandelnden Ärzte nicht selten vor diesem Dilemma. An der Lippstädter Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ist ein Therapieangebot gestartet, das speziell auf diesen Personenkreis zugeschnitten ist. Hierüber hat sich jetzt der Qualitätszirkel Werl mit 20 psychotherapeutisch tätigen Psychologen und Ärzten bei einem Besuch der Klinik in Benninghausen informiert.

„Zu uns kamen immer mehr jüngere Patienten mit sehr spezifischen Fragestellungen“, berichtete  Diplom-Sozialpädagoge Martin Berger, der das neue Angebot vorstellte. „Berufliche Perspektiven, die eigene Selbstständigkeit und allgemein der Schritt ins Erwachsenenleben fanden in den Angeboten anderer Stationen bislang jedoch keinen Niederschlag.“ Menschen im Alter von 18 bis etwa 25 Jahren seien aber oftmals sehr sensibel und gefährdet, an einer psychischen Störung zu erkranken. Selbstwert- und Identitätsprobleme sowie Schwierigkeiten in der beruflichen und sozialen Orientierung führten nicht selten zu Depressionen, Angsterkrankungen oder Persönlich­keitsstörungen, die eine stationäre psychiatrische Behandlung sinnvoll erscheinen lassen.

„Perspektiven entwickeln, Ziele formulieren, ‚in die Handlung kommen’ – dort setzt unser therapeutisches Programm an“, beschrieb Diplom-Psychologin Claudia Schülbe das Behandlungskonzept. „In Fertigkeitengruppen lernen die Patienten den Umgang mit Gefühlen und Konflikten. Sie erfahren eine Tagesstruktur, und durch den Gruppenkontakt erhalten sie mehr Antrieb, etwas zu verändern.“ Bis zu 25 Patienten, die nach Angaben von Stationsleiter Andreas Scheck aus allen sozialen Schichten stammen, können auf der Station AL04 behandelt werden. Jedem von ihnen werden ein Bezugspfleger und ein eigener Therapeut zur Seite gestellt. Auf Wunsch werden auch die Angehörigen eingebunden, zum Beispiel bei gemeinsamen Hilfeplanungsgesprächen.

Damit die jungen Menschen nach der im Durchschnitt sechswöchigen stationären Therapie nicht wieder vor den alten Problemen stehen, arbeitet die Station AL04 sehr eng zusammen mit Job-Centern, Arbeitsagenturen und Fachdiensten im Kreis Soest. „Wir haben hier ein sehr engmaschiges Netz, das wir für uns nutzen“, so Martin Berger. Auch eine bessere Vernetzung mit den Jugendämtern sei im Aufbau.

Außerdem besteht die Möglichkeit, nach der Entlassung die Behandlung ambulant fortzuführen oder das Nachsorge-Forum der Station zu nutzen, wenn zum Beispiel noch kein ambulanter Therapieplatz zur Verfügung steht. Dieses wird jeden letzten Freitag im Monat um 15 Uhr angeboten. Näher informieren können sich Interessierte direkt beim Stationsteam unter Tel. 02945 981-1620.

Auf Initiative von Patienten und Mitarbeitern der AL04 ist darüber hinaus eine Selbsthilfegruppe entstanden, die allen Betroffenen offen steht, unabhängig davon, ob sie in der LWL-Klinik in Behandlung waren. Die Gruppe trifft sich regelmäßig jeden zweiten Donnerstag im Monat in den Räumen des Malteser Hilfsdienstes in Soest, Brüderstraße 30. Unter der Adresse shg-soest@outlook.de kann per E-Mail Kontakt aufgenommen werden. Federführende Ansprechpartnerin für alle Selbsthilfegruppen im Kreis Soest ist Barbara Burges, Tel. 02921 301-162 (E-Mail: barbara.burges@kreis-soest.de).