Mit medizinisch-beruflicher Rehabilitation Frühverrentung vorbeugen: Neubau des LWL-Instituts Warstein eröffnet

Das Institut für Rehabilitation (IfR) des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Warstein (Kreis Soest) hat ein neues Gebäude. Nach gut anderthalbjähriger Bauzeit ging jetzt ein Neubau mit 44 Plätzen zur Medizinisch-Beruflichen Rehabilitation in Betrieb. Bundesweit gibt es nur zwei weitere Zentren mit einem solchen Angebot. LWL-Direktor Matthias Löb hat das neue Gebäude des Instituts, das der LWL-Klinik Warstein angeschlossen ist, am Freitag (20. 4.) offiziell eröffnet. Löb: „Wir wollen damit den Menschen nach einer psychischen Erkrankung mögliche Arbeitslosigkeit oder Frühverrentung ersparen.“

Das Gebäude W64 befindet sich in der Nähe der Zentralen Aufnahme.

Löb fasst das neue Angebot so zusammen: „Bei der klassischen Krankenhausbehandlung mit anschließender Rehabilitation steht die Gesundung des Patienten im Mittelpunkt. Was aber, wenn der Patient mit seiner psychischen Erkrankung weiter zurechtkommen muss oder wenn er schon zu lange nicht mehr im Arbeitsprozess war? Diese Lücke schließen wir nun mit dem Konzept der medizinisch-beruflichen Rehabilitation: Wir fragen nach den beruflichen Vorstellungen, ermitteln die Leistungsfähigkeit und begleiten den psychisch kranken Menschen eng auf dem Weg zurück ins Erwerbsleben.“

Herzlich willkommen!

Psychische Störungen führen inzwischen die Statistik der Erwerbsminderungsrenten an. Knapp 43 Prozent aller Menschen, die im Jahr 2016 neu in Rente gingen, seien wegen einer dauerhaften psychischen Erkrankung aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, führt Löb aus. „Ein wichtiger Baustein, um hier gegenzusteuern, ist unser Angebot der medizinisch-beruflichen Rehabilitation. Bundesweit haben nur zwei Zentren in Heidelberg und Saarbrücken eine vergleichbare Qualität“, betont der LWL-Direktor. Menschen mit einer psychischen Erkrankung sollen hier die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um wieder am Arbeitsleben teilnehmen zu können.

Innenhof

Der dreigeschossige Neubau bietet nun optimale Bedingungen, die den Vorgaben der Deutschen Rentenversicherung entsprechen, um in einer sechswöchigen Reha-Maßnahme (Reha-Phase II) die Leistungsbeurteilung psychisch erkrankter Menschen für ihren Weg zurück in den Beruf zu erstellen. Im Zentrum steht dabei eine Belastungserprobung, die durch ein multiprofessionelles Team begleitet wird. „Unsere Arbeit fußt auf einem sehr differenzierten Grundkonzept“, erklärt Institutsleiter Dietmar Böhmer. Abhängig von individuellen Ressourcen sowie beruflichen Vorerfahrungen erprobe man die Belastung unter Berücksichtigung des jeweiligen Krankheitsbildes. Hierbei kooperiert das IfR mit rund 50 Unternehmen. Therapeuten begleiten die beruflichen Coachings unmittelbar in den Betrieben, zum Angebot gehören auch spezielle Therapie- und Trainingsprogramme.

Großzüge Leerküche im neuen Gebäude

Das neue Gebäude umfasst 1.717 Quadratmeter Nutzfläche. In den beiden oberen Etagen befinden sich 44 Einzelzimmer mit Duschbad für die Patienten. Beide Ebenen verfügen über großzügige Lehrküchen, an die ein lichtdurchfluteter Speiseraum grenzt. Gemütlich eingerichtete Aufenthaltsräume bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, um auch den Freizeit- und Erholungswert während der Maßnahme sicherzustellen. Im Erdgeschoss sind neben Büroräumen auch die Therapie- und Gruppenräume gelegen. Der arbeitsdiagnostische Bereich verfügt unter anderem über einen großen Computerraum für unterschiedlichste psychologische und arbeitstherapeutische Testverfahren. Ein mit moderner Präsentationstechnik ausgestatteter Konferenzraum ergänzt das Raumprogramm. Herzstück des Neubaus ist ein terrassenartig angelegter Lichthof.

EDV-Trainings werden im neuen Computerraum gegeben.

Es sei für viele Menschen eine große Hürde, sich nach unter Umständen längerer Erkrankung oder Arbeitslosigkeit wieder mit dem Thema Arbeit auseinander zu setzen. Für viele Rehabilitanden stehe zudem die Bewältigung sozialrechtlicher Anforderungen an: Arbeitsplätze müssen erhalten, Häuser abbezahlt, Kinder versorgt werden. Diese Anforderungen beeinflussten die Erkrankung und damit verbunden eben auch die Genesung. Das sei aber die Herausforderung für die professionelle Arbeit der Therapeuten, betont Dietmar Böhmer.