Mit Doktorarbeit über Hirnleistungstraining leistet Assistenzärztin Sarah Kappel Pionierarbeit

Sarah Kappelpatriot-logo-kleinDie intensive Arbeit hat sich gelohnt: Mit der Note „magna cum laude“ hat Sarah Kappel jetzt ihre Doktorarbeit abgeschlossen. Die Assistenzärztin, die aktuell in der Abteilung für Depressionsbehandlung der Klinik Lippstadt im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet, promovierte zum Thema „Hirnleistungstraining“. Dabei wertete sie mithilfe objektiver wissenschaftlicher Methoden anonymisierte empirische Daten von 194 alkoholabhängigen Patienten aus, die von Anfang 2005 bis Mitte 2009 in der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Klinik Warstein und anschließend im LWL-Rehabilitationszentrum Südwestfalen in Warstein behandelt wurden. Das Ergebnis: Das Hirnleistungstraining führte bei den Patienten im Durchschnitt zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit.

„Gemessen wird diese Leistungsfähigkeit des Gehirns über verschiedene psychologische Testungen. Die Daten, die ich ausgewertet habe, erfassten pro Patient jeweils den Stand vor und nach einem Hirnleistungstraining“, erklärt Sarah Kappel. Zur Verfügung gestellt wurde der 29-Jährigen das Material von Dr. Rüdiger Holzbach. Der Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein betreute die Doktorandin, erarbeite mit ihr Thema und Ausrichtung der Arbeit, gab Hilfestellungen und stand jederzeit für Fragen zur Verfügung. „Das lief ganz unproblematisch, ich bin sehr zufrieden“, sagt Sarah Kappel rückblickend.

Die Ärztin, die sich ab sofort Dr. med. nennen darf, studierte in Gießen Humanmedizin und legte im Frühjahr 2012 ihr Examen ab. Parallel dazu arbeitete sie bereits an ihrer Doktorarbeit, die sie an der Universität Hamburg unter der Obhut von Doktorvater Prof. Dr. med. Dieter Naber schrieb. Im gleichen Jahr begann Sarah Kappel ihre Laufbahn als Assistenzärztin in der Lippstädter LWL-Klinik und vertiefte damit die berufliche Verbindung, die sich bereits im Rahmen des Stipendiatenprogramms der LWL-Gesundheitseinrichtungen im Kreis Soest als äußerst fruchtbar für beide Seiten herausgestellt hatte.

Vollzeitjob und Promotion: Eine Doppelbelastung, die die aufgeschlossene Akademikerin mit Disziplin und Leidenschaft meisterte. Im September 2013 gab sie ihre Arbeit ab, im Juni dieses Jahres folgte die mündliche Prüfung. Kürzlich konnte Sarah Kappel nun ihre Promotionsurkunde im Rahmen eines Festakts in Hamburg entgegennehmen.

Ein Erfolg, über den sich auch Dr. Rüdiger Holzbach freut. In Kooperation mit den Universitäten in Hamburg, Bochum und Essen betreute und betreut der selbst in Wissenschaft und Forschung verwurzelte Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin immer wieder Doktoranden, denn: „Als eine der größten suchtmedizinischen Abteilungen in Deutschland sind wir prädestiniert für die Versorgungsforschung, wie sie Frau Kappel mit ihrer Arbeit im Bereich der Alkoholabhängigkeit vorangetrieben hat.“

Dabei habe die 29-Jährige mit ihrem Forschungsansatz sogar Pionierarbeit geleistet, hebt Dr. Holzbach hervor. Denn während das Hirnleistungstraining in verschiedenen anderen Bereichen der Psychiatrie – so zum Beispiel in der ambulanten Ergotherapie und der Gerontopsychiatrie – seit Jahrzehnten einen festen Platz im therapeutischen Spektrum habe, werde die Methode in der Suchtmedizin kaum angewandt. „Hier sind also nicht nur die LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt Vorreiter, sondern auch Frau Kappel, die mithilfe wissenschaftlicher Methodik erstmals die Wirksamkeit des Hirnleistungstrainings in diesem Bereich nachgewiesen hat.“

Sarah Kappels Doktorarbeit soll nicht zuletzt aus diesem Grund bald in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden. Für die Assistenzärztin, die an den heimischen LWL-Kliniken nun noch ihre Weiterbildung zur Fachärztin anschließen möchte, ein weiterer Karriere-Schritt.

Hintergrund: Suchtmedizin und Hirnleistungstraining

Die Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt bietet den qualifizierten Entzug von Alkohol, Drogen und/oder Medikamenten an. Insgesamt hält die Abteilung sechs Stationen vor (vier Stationen am Standort Warstein, zwei am Standort Lippstadt-Benninghausen). Dabei besteht zusätzlich die Behandlungsmöglichkeit für Suchtkranke mit psychiatrischen Begleit- beziehungsweise Grunderkrankungen (Behandlung von Komorbidität).

„Alkohol zerstört Zellen im Körper, das können Zellen in der Bauchspeicheldrüse sein, in der Leber oder aber Nervenzellen“, sagt Dr. Rüdiger Holzbach. Aufgrund der Regenerationsfähigkeit des Gehirns mache sich der Ausfall von Nervenzellen lange Zeit nicht bemerkbar. In heftigen Trinkphasen jedoch oder wenn die Reservekapazität des Gehirns aufgebraucht ist, zeigten sich Symptome. „Diese reichen von nachlassender Merkfähigkeit über Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu Einschränkungen im Bereich der Problemlösung.“

Ziel des Hirnleistungstrainings ist es, die ausgefallenen kognitiven Funktionen zu kompensieren. „In der Abteilung Suchtmedizin arbeiten wir bereits seit Jahrzehnten mit dieser Methodik und konnten somit auf Grundlage dieser Erfahrungen die Übungen immer weiter differenzieren. So ist es uns möglich, passgenaues Material anzubieten, das auf den individuellen Leistungsstand jedes Patienten zugeschnitten ist und dabei weder überfordert noch unterfordert“, sagt Dr. Holzbach. Gearbeitet werde mit PC-gestützten Aufgabenstellungen ebenso wie mit motorischen Geschicklichkeitsübungen oder aber ganz einfachen Mitteln wie Kreuzworträtseln. Patienten absolvieren das Hirnleistungstraining zweimal am Tag jeweils eine halbe Stunde lang.