Ilona Scheidt: Schwesterntracht der Uniform vorgezogen

^„Entscheidung für Psychiatrie niemals bereut“: Ilona Scheidt tritt nach 40 Jahren als pflegerische Leitung an LWL-Kliniken in den Ruhestand

Mit Friedel Harnacke, Öffentlichkeitsbeauftragter Sucht (links), und Chefarzt Dr. Rüdiger Holzbach trug Ilona Scheidt wesentlich zum Erfolg der Abteilung Suchtmedizin an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein bei. Foto: LWL/Eva Brinkmann

westfalenpostNoch komme es ihr „etwas unwirklich“ vor, doch der letzte Arbeitstag rückt immer näher: Nach 50 Jahren im Öffentlichen Dienst und 40 Jahren als pflegerische Leitung wird Ilona Scheidt am 1. April in den Ruhestand verabschiedet. Sehr erfolgreich stand sie zuletzt an der Spitze des Pflegedienstes der Abteilung Suchtmedizin der Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Warstein und Lippstadt. Vor allem die Entwicklung der Psychiatrie in Warstein hat sie seit den 1970-er Jahren begleitet und sehr engagiert mit gestaltet.

Wäre es nach ihrem Vater gegangen, hätte Ilona Scheidt statt der Schwesterntracht eine Polizeiuniform angelegt, als sie 1966 vor der Berufswahl stand. Doch die gebürtige Dortmunderin hatte das Berufsziel Kinderkrankenschwester klar vor Augen und entschied sich für eine Schule, die sie hierauf vorbereiten sollte. Dass sie ihre Pflege-Ausbildung schließlich in der Warsteiner Fachklinik für Psychiatrie absolvieren sollte, verdankt sie einer damaligen Mitbewohnerin, die aus der Wästerstadt stammte. „Nach dem Examen habe ich mich entschieden, in der Psychiatrie zu bleiben, und die Entscheidung niemals bereut“, sagt sie rückblickend.

Schon früh übernahm Ilona Scheidt Führungsverantwortung: Nachdem sie zunächst in der ersten Drogenstation der Klinik eingesetzt war, wurde ihr im Alter von nur 24 Jahren zunächst kommissarisch die Pflegedienstleitung anvertraut. „Damals war ich für zwölf Stationen zuständig“, erinnert sie sich und muss schmunzeln: „‚Oberin weltlich‘ stand an meiner Bürotür, als Abgrenzung zu den damals an der Klinik tätigen Vincentinerinnen.“

Zahlreiche Veränderungen und Umstrukturierungen in der Psychiatrie erforderten auch von Ilona Scheidt immer wieder eine berufliche Neuorientierung. Als die Stationen der Klinik diagnosespezifisch neu zugeordnet wurden, entschied sie sich für die Arbeit in der Suchtmedizin: „Es war nicht leicht, Prioritäten zu setzen. Aber heute kann ich sagen: Das ist mein Ding.“ Der Zusammenführung mit den Abteilungen der Klinik Lippstadt im Jahr 2001 stand die Pflegefachfrau offen gegenüber: „Ich lerne immer gerne neue Menschen kennen“, sagt sie, musste aber auch einsehen, dass es an beiden Standorten große Unterschiede gab: „Zum Teil waren das ganz neue Welten. Man sollte da auf keinen Fall versuchen, das deckungsgleich zu machen.“ Die neue Herausforderung als standortübergreifende pflegerische Leitung der Suchtmedizin nahm sie gerne an. In der gemeinsamen Abteilungsleitung mit Chefarzt Dr. Rüdiger Holzbach betrieb sie konsequent die Weiterentwicklung der nun deutschlandweit drittgrößten suchtmedizinischen Abteilung.

Obwohl sie zu Beginn ihrer Laufbahn auch die damaligen Schattenseiten der Psychiatrie – etwa  Zwangsinjektionen und Zwangsmedikation – miterleben musste, überwiegen eindeutig die positiven Erinnerungen. „Es macht mir immensen Spaß, mit Menschen zu arbeiten“, sagt Ilona Scheidt. „Dabei war es mir immer wichtig, den Patienten viel Zuwendung zu geben und die individuellen Bedürfnisse zu beachten.“

Im Ruhestand möchte sie nun „Sachen machen, die gut und wichtig sind, aber die ich gerne mache“, so ihre Planungen. Es gebe bereits Überlegungen, ob sie den LWL-Kliniken nicht, zum Beispiel in beratender Funktion, erhalten bleiben könne.

Vor allem freut sie sich darauf, viel Zeit für „ihre“ Tiere zu haben. Nachdem sie jahrelang selbst Hunde hielt, übernimmt sie nun sehr gerne die Betreuung ihres „Paten-Hundes“. In ihrem Garten beherbergt sie wilde Katzen, die sie im Sinne des Tierschutzes auch zur Kastration brachte. „Am liebsten würde ich eine Betreuungsstelle für ältere Menschen, Kinder und Tiere einrichten“, sagt Ilona Scheidt augenzwinkernd, fasst ihre Wünsche für die Zeit des Ruhestands dann aber etwas pragmatischer zusammen: „Ich möchte draußen sein, die Natur genießen und Kontakte pflegen.“