„Farbe – Linie – Leidenschaft“ vollzieht individuellen Weg des Künstlers nach

Ausstellung_Malstudio_webEs war eine Premiere im Kleinen: Unter dem Titel „Farbe – Linie – Leidenschaft“ hat der Wohnverbund Lippstadt im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt seine erste eigene Ausstellung auf die Beine gestellt. Noch bis zum 19. Februar 2015 sind im LWL-Sozialzentrum Eickelborn an der Eickelbornstraße 19 rund 60 verschiedene Bilder, Zeichnungen und Skizzen zu sehen. Angefertigt wurden sie von acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Malstudios in der Tagesstätte Lebensschule.

„Diese Ausstellung soll vor allem ein Zeichen der Anerkennung für die Bewohnerinnen und Bewohner sein, die ihre Bilder hier der Öffentlichkeit präsentieren“, eröffnete Corinna Šantor die Schau. Die Leiterin Tagesstruktur und Fachdienste im Lippstädter Wohnverbund dankte den Künstlern für ihr unermüdliches Engagement im Vorfeld der Ausstellung. Anschließend gewährte Kunstpädagogin Cornelia Rink den Gästen einen Einblick in die Arbeitsweise des Malstudios und führte bei einem Rundgang durch das Sozialzentrum in die Ausstellung ein.

„Es fängt immer an mit einem weißen Blatt Papier oder einer leeren Leinwand“, erklärte Rink. Im Malstudio gehe es darum, den Teilnehmern eigene Wege zu eröffnen, wie diese Leere am besten zu füllen sei. Ob grader oder nervöser Strich, ob suchende Linie oder expressiver Pinselschwung: „Eine der wichtigsten Erfahrungen ist es, zu verstehen: So wie ich male, malt niemand.“

Entsprechend vielfältig gestalten sich die Werke, die seit kurzem im LWL-Sozialzentrum zu sehen sind. Die Künstler hinter den Werken, das sind Nicole von Bremen, Jürgen Gajewski, Abdel-Karim Bentazrout, Heidemarie Kasper, Ingeborg Mertin, Gül Derin, Martina Löper und ein junger Mann, der zwar seine Bilder für die Schau zur Verfügung stellt, selbst jedoch anonym bleiben möchte. Die Ausstellung „Farbe – Linie – Leidenschaft“ zeigt einen Ausschnitt ihres Schaffens und offenbart dem Betrachter zugleich kleine, schillernde Facetten ihrer Persönlichkeit.

So wie bei Jürgen Gajewski. Seine Bleistift- und Feinliner-Zeichnungen sind individuell nachempfundene Abwandlungen von Fotos oder Gemälden. Sein Markenzeichen: Das Aufzeigen von Mustern und Ornamenten, die dem Original zugrunde liegen und die er mit präzisen Strichen hervorhebt. Aber Jürgen Gajewski schafft auch selbst Originale. Sie sind mal streng-systematisch, mal bunt-verspielt, immer aber selbstbewusst.

Die Bilder von Abdel-Karim Bentazrout sind schnell auszumachen. Seine Eigenkreation, die „Nasenmänner“, kommt in unterschiedlichsten Variationen daher. Die von überdimensionalen Riechorganen beherrschten Gesichter wirken sensibel, manchmal zweifelnd, einige auch unbeirrbar und souverän.

Beim Arbeiten im Malstudio hat sich für Ingeborg Mertin das Faible für Natur und Naturfarben ebenso schnell herauskristallisiert wie ihr Ehrgeiz, immer wieder neu anzusetzen, bis das Werk perfekt ist. In einem ihrer Acrylbilder hat sie ihr Traumhaus auf Papier gebannt: luftige Mosaike in Weiß, Blau und Senfgelb, umgeben von sattem Grün.

Expressionisten wie Wassily Kandinsky gehören zu den Vorbildern von Nicole von Bremen. Die Künstlerin arbeitet nach Vorlage, ihre Stärke liegt dabei in der Farbgestaltung: von Bremen grundiert zunächst komplett in Schwarz und trägt erst dann die einzelnen Farben auf. So kommen Rot, Gelb und Grün intensiv leuchtend zur Geltung.

Gül Derins Steckenpferd sind Proportionen von Körpern, die Anatomie der Frau – Gesicht, Augen, Beine, die Plastizität der Haare. Die junge Künstlerin ist noch in der Lernphase, die für die Ausstellung ausgewählten Bilder zeigen den Erkenntnisgewinn in den verschiedenen Techniken schrittweise auf.

Eine unglaubliche Produktivität und Malfreude zeichnen Heidemarie Kasper aus. Kasper malte schon, bevor sie zum LWL-Wohnverbund Lippstadt kam, hat hier in ihrem künstlerischen Schaffen aber noch einmal einen kräftigen Satz nach vorn gemacht. Herausforderungen sind ihre Leidenschaft, schwierige Motive schüchtern nicht ein, sondern geben Inspiration und Motivation, die sie in Porträts und Stillleben, in detaillierten Skizzen und präzisen Farbstiftzeichnungen kanalisiert.

Das Schaffen von Martina Löper zeichnet vor allem eines aus: Es ist immer ganz nah dran – nah am Leben, nah an der eigenen Existenz. Gesundheitliche Einschränkungen haben auch zu Einschränkungen in der Quantität ihres Schaffens geführt. Der Qualität indes hat dies keinen Abbruch getan. Eine ihrer Zeichnungen – eine zarte Bleistiftarbeit – hat Löper ihrer Tochter gewidmet.

Ebenso sensibel wie er selbst präsentieren sich die Werke des jungen Mannes, der nicht namentlich genannt werden möchte. Nobel, still und feinfühlig sind ein Großteil seiner Bilder, manchmal aber auch bunt, laut und sprühend, so wie seine Interpretation des Endspiels der jüngsten Fußballweltmeisterschaft.

Die Ausstellung „Farbe – Linie – Leidenschaft“ kann zu den regulären Öffnungszeiten des LWL-Sozialzentrums Eickelborn besucht werden. Die Räumlichkeiten an der Eickelbornstraße 19 sind montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr zugänglich.