Fachtagung: Geänderten Lebenswelten betagter Menschen

Fachtagung: Geänderten Lebenswelten betagter Menschen

Die Referenten der 13. Fachtagung (Geronto-) Psychiatrie der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein.

Alter hat viele Facetten. Da gibt es die „jungen Alten“ ebenso wie die „Hochbetagten“. Zwischen diesen Gruppen liegt eine weitere Generation mit nicht weniger spezifischen Bedürfnissen. Die Folge: Angebote, Settings und Interventionen in psychiatrischen Einrichtungen müssen sich den geänderten Lebenswelten anpassen. Verschiedene Ansätze, dieser Herausforderung zu begegnen, vermittelte die 13. Fachtagung (Geronto-) Psychiatrie der Lippstädter Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), die unter dem Thema „Es bewegt sich was…“ stand.

130 Teilnehmer aus mehreren Bundesländern setzten sich in Eickelborn mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander, die nicht nur Demenz-Erkrankungen, sondern auch affektive Störungen, beispielsweise Depressionen, in verschiedenen Lebensphasen betreffen. „Demenz, aber auch alle anderen psychischen Erkrankungen sind im Alter häufig“, verdeutlichte Guido Langeneke, stellvertretender Pflegedirektor der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein. „Es ist wichtig, den Patienten ernst zu nehmen und mehr in den Handlungsprozess einzubeziehen.“

Auch passe die tradierte Zuordnung nicht mehr, der zufolge Menschen ab 60 Jahren in der Gerontopsychiatrie behandelt werden. Dieser Erkenntnis haben die beiden psychiatrischen Kliniken mit der Gründung der Abteilung Depressionsbehandlung im vergangenen Jahr bereits Rechnung getragen.

Alter nicht als Schreckgespenst zu begreifen, sondern „als Prozess, der vielfältig gestaltet werden kann“, dazu regte Prof. Dr. Anke Fesenfeld (Hochschule für Gesundheit, Bochum) in ihrem Vortrag „Es bewegt sich was bei den Altersbildern!“ an. Damit Pflegende einen Beitrag leisten könnten, sei „hohe Kommunikationskompetenz“ vonnöten: „Mit Billigpersonal ist uns da nicht gedient“, so die Überzeugung der Pflegewissenschaftlerin. Es sei weiterhin erforderlich, positive Altersbilder zu setzen und Lücken im Versorgungssystem zu schließen, etwa bei der Unterstützung pflegender Angehöriger.

Weitere Referate widmeten sich unter anderem den Themen Depression und Burn-out in verschiedenen Lebensphasen sowie dem „Tanzen mit und ohne Demenz“. In zehn Workshops bestand anschließend die Gelegenheit, mit Fachexperten aus Forschung, Lehre und Praxis weitere Anregungen zu sammeln.

Darüber hinaus konnten die Teilnehmer selbst aktiv werden und sich zu Musik „in Bewegung setzen“ oder den „Age Explorer“ ausprobieren. Dabei handelt es sich um einen Spezialanzug, der mögliche Einschränkungen eines 80-jährigen Menschen erlebbar macht: vom Arthrose-Leiden über Schwerhörigkeit und Alters-Weitsichtigkeit bis hin zur allgemeinen Schwächung der Muskulatur.

Sämtliche Angebote stießen auf sehr gute Resonanz. Die Teilnehmer dankten dem Team des LWL-Fort- und Weiterbildungszentrums um Monika Stich, die die Veranstaltung auch moderierte, für die gelungene Organisation und eine Vielzahl neu gewonnener Erkenntnisse.