Der Angehörige steht im Mittelpunkt: Betreut über die Entlassung hinaus durch Familiale Pflege

derwesten-logo-klein140903familiale-pflegeEin pflegebedürftiger Angehöriger mit patriot-logo-kleineiner psychischen Erkrankung ist soweit therapiert und stabilisiert, dass er aus der stationären Behandlung entlassen werden kann. Und dann? Punkt eins: Er kehrt in sein vertrautes häusliches Umfeld zurück. Punkt zwei: Was für den Pflegebedürftigen positive Effekte hat, kann für seine pflegenden Angehörigen zur Belastung werden. Diese zu minimieren, dient die „Familiale Pflege“. An den LWL-Kliniken in Lippstadt und Warstein ist dieses Modellprojekt gestartet, das sechs Wochen lang den Angehörigen Wege aufzeigt, wie der Übergang vom Klinikaufenthalt in die häusliche Umgebung besser gelingt.

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Pressemitteilung

Was erwartet uns, wenn ein pflegebedürftiger Angehöriger aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wird? Psychische wie körperliche Erkrankungen bedeuten für Familienmitglieder bislang unbekannte und meist auch sehr belastende Herausforderungen. Damit der Übergang vom Klinikaufenthalt in die häusliche Umgebung besser gelingt, bietet die „Familiale Pflege“ vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten. Die Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) im Kreis Soest haben sich jetzt dem Modellprojekt angeschlossen, das in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der AOK Nordwest realisiert wird. Die Kooperationsverträge haben Pflegedirektor Magnus Eggers, Sonja Bergenthal von der Fakultät Familienwissenschaften der Universität Bielefeld, und Harald Fromme, Niederlassungsleiter der AOK Nordwest, jetzt in Lippstadt-Eickelborn unterzeichnet.

„‚Familiale Pflege’ bedeutet Unterstützung rund um die Versorgung, Pflege und Begleitung bedürftiger Menschen zu Hause“, sagte Eggers. „Zum Angebot gehören Beratungsgespräche und die Vermittlung hilfreicher Kontakte ebenso wie individuelle Pflegetrainings, die bereits in unseren Kliniken beginnen und noch bis zu sechs Wochen nach der Entlassung zu Hause fortgesetzt werden können.“ Darüber sollen noch in diesem Jahr Initial-Pflegekurse mit den Schwerpunkten Demenz, Depression und allgemeine (somatische) Krankenpflege angeboten werden. Diese richten sich nicht nur an die Angehörigen der Patientinnen und Patienten der LWL-Kliniken, sondern stehen allen Interessierten offen, die von einer häuslichen Pflegesituation betroffen sind. Alle Angebote sind kostenlos, unabhängig davon, bei welcher Krankenkasse der Pflegebedürftige versichert ist.

Magnus Eggers und einem vierköpfigen Team aus erfahrenen Mitarbeitern des Pflegedienstes ist es gelungen, die „Familiale Pflege“ in Rekordzeit an den Start zu bringen. Raimund Beerwerth und Sabine Klinger von der LWL-Klinik Warstein sowie Yves Gardias und Christine Kowatz von der LWL-Klinik Lippstadt wurden dieses Frühjahr an der Universität Bielefeld speziell für dieses Aufgabengebiet qualifiziert. Im Juni bereits gab es die ersten Anfragen betroffener Angehöriger. Seitdem wurden etwa 50 Familien unterstützt – Tendenz steigend.

 „Ist ein Angehöriger psychisch erkrankt, kommen auf den Pflegenden ganz andere Aufgaben zu, als wenn man es mit körperlichen Leiden zu tun hat“, weiß Christine Kowatz. „Egal, ob psychische oder körperliche Erkrankungen im Vordergrund stehen: Eine häusliche Pflegesituation stellt immer eine große Belastung dar. Daher steht der pflegende Angehörige bei uns im Mittelpunkt.“ Die Hilfestellung sei sehr vielseitig und orientiere sich stets an den individuellen Bedürfnissen, wie Sabine Klinger darstellte: „Wir beraten nicht nur, sondern zeigen den Familienmitgliedern zum Beispiel ganz konkret, wie sie in einer depressiven oder psychotischen Phase reagieren oder diese anhand von Vorzeichen erkennen können. Auch helfen wir dabei, Netzwerke aufzubauen und etwa Nachbarn oder Freunde in die Betreuung einzubinden, damit die Angehörigen Entlastung erfahren und somit persönliche Freiräume gewinnen können.“

Inzwischen beteiligen sich etwa 350 Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen und Hamburg an der „Familialen Pflege“, etwa 40.000 Familien profitieren nach Angaben Harald Frommes pro Jahr von dem Modellprojekt. Durch eine bessere Beratung und Qualifizierung der Angehörigen sollen Wiederaufnahmen ebenso zu vermeiden wie die Unterbringung in einem Pflegeheim, so das Ziel der AOK Nordwest: „Mit Blick auf die Kostenentwicklung fördern wir hier ambulant vor stationär und hoffen, damit auch eine politische Diskussion anzustoßen“, verdeutlichte Fromme.

Initiiert wurde das Modellprojekt, das vor zehn Jahren an somatischen Kliniken startete, von der Universität Bielefeld. Seit einem Jahr können sich auch psychiatrische Krankenhäuser anschließen. „Eine begleitende Studie hat ergeben, dass Angehörige bei psychischen Erkrankungen am meisten belastet sind“, berichtete Sonja Bergenthal. „Viele Emotionen sind damit verbunden, und oft fühlt man sich mit seinen Problemen allein gelassen.“ Daher freue sie sich, dass das Angebot an den LWL-Kliniken so gut angenommen werde.

Nähere Informationen erteilt das Team der „Familialen Pflege“ an den LWL-Kliniken unter Tel. 02945 981-1606 (Standort Lippstadt-Benninghausen) sowie Tel. 02902 82-1891 und -1892 (Standort Warstein). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind außerdem per E-Mail zu erreichen: familiale-pflege@lwl-klinik-lippstadt.de oder familiale-pflege@lwl-klinik-warstein.de.