Ausländischen Ärzten bei der Integration helfen: Konzept der LWL-Kliniken setzt auf Ganzheitlichkeit

Personal in den akademischen Heilberufen zu gewinnen, wird zunehmend schwieriger. Dies gilt insbesondere bei Ärzten oder Fachärzten in der „sprechenden“ Medizin, also der Psychiatrie und Psychotherapie. Die Kliniken Warstein und Lippstadt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) haben ein ganzheitliches Konzept entwickelt, um es Medizinern aus anderen Ländern leichter zu machen, in Deutschland Fuß zu fassen.

„Derzeit unterstützen wir rund zehn Ärzte oder Ärztinnen aus Aserbaidschan, Tunesien, Rumänien, Bulgarien, Kosovo und Russland bei ihren Approbationsverfahren“, berichtet Gerrit Jungk, Leiter der Abteilung Personal und Wirtschaft. „Sie erhalten eine Einstellungszusage und beginnen zunächst mit einer Hospitation oder einem Praktikum. Das Wichtigste in dieser Zeit ist das Erlernen der deutschen Sprache, und zwar sowohl der Umgangssprache als auch der medizinische Fachsprache.“ Darüber hinaus sei es aber auch bedeutsam, dass sich die Menschen in ihrer neuen Heimat wohl fühlen. „Wir haben mit Annetraud Stange und Ulrich Wessel eigens zwei Mitarbeiter bereit gestellt, die sich sehr engagiert um unsere ausländischen Ärzte kümmern“, so Jungk weiter.

Entsprechend werden diese an den beiden LWL-Kliniken durch betriebliche Module mit eigenen Schulungen gefördert und auf die Fachspracheprüfung vorbereitet. Unterstützung erfahren sie weiterhin bei lebenspraktischen Fragen, etwa beim Einkaufen oder wenn es um Termine bei Krankenkassen und Jobcentern geht. „Am dringlichsten ist natürlich zunächst das Mieten einer geeigneten Wohnung. Es wird aber auch Unterstützung bei der Ausländerbehörde, bei der Visaerteilung oder der Beantragung des Aufenthaltstitels gegeben. Da diese meistens nur für drei Monate erteilt werden, besteht hier ein ständiger Austausch mit den Behörden“, sagt Ulrich Wessel, Mitarbeiter im Personalwesen.

Gemeinsame Unternehmungen helfen bei der Integration. Dabei werden auch kulturelle Besonderheiten besprochen, wie etwa bestimmte Feiertage oder regionale Bräuche. Gerne werden Kochrezepte oder Tipps für den Alltag ausgetauscht. Aber auch kulturelle Aktivitäten wie der Besuch von Volksfesten am Wochenende stehen auf der Agenda. Hilfe bei der Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung oder der Vermittlung von Kita-Plätzen, Mitnahme zum Betriebssport,  Begleitung in städtische Bibliotheken – Ulrich Wessel und Annetraud Stange kümmern sich wenn erforderlich rund um die Uhr um die neuen Kolleginnen und Kollegen und haben stets ein offenes Ohr, auch wenn das Heimweh einmal plagt.

In Planung ist jetzt ein regelmäßiger Stammtisch für die ausländischen Ärzte. „Aktuell möchten die LWL-Kliniken darüber hinaus ein medizinisches Mentorensystem etablieren, so dass allen neuen Beschäftigten ein persönlicher Begleiter im klinischen Alltag zur Seite steht. Die Einarbeitung soll auf der Grundlage einer Konzeption standardisiert und einheitlich erfolgen“, kündigt Gerrit Jungk an.