Auch lang anhaltender Niedrig-Konsum führt zur Sucht: Chefärztin Petra Hunold promoviert mit Arbeit über Wirkung von Benzodiazepinen

Petra Hunold: „Psychiatrische Beeinträchtigungen durch den Langzeitkonsum von Benzodiazepinen"Ihre Promotionsurkunde konnte Petra Hunold jetzt bei einem Festakt an der Universität Hamburg entgegen nehmen. Die Chefärztin der Abteilung Depressionsbehandlung der Kliniken Lippstadt und Warstein im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) überzeugte mit ihrer Dissertation zum Thema „Psychiatrische Beeinträchtigungen durch den Langzeitkonsum von Benzodiazepinen“. Unterstützung hatte sie dabei von ihrem Kollegen Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin, erhalten.

Psychiatrische Beeinträchtigungen durch den Langzeitkonsum von BenzodiazepineIn ihrer Studie wertete Hunold die Daten von 251 Patientinnen und Patienten aus, die in der LWL-Klinik Lippstadt behandelt wurden. Insbesondere untersuchte sie eine These, der zufolge der dauerhafte Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine phasenhaft verläuft. Demnach ist die erste Phase, in der eine Niedrig-Dosierung erfolgt, geprägt von einer „Dauer-Entzügigkeit“: Da der Körper sich sehr schnell an das Medikament gewöhnt, wirkt es nicht mehr so wie gewünscht. „Nach einiger Zeit überwiegt die Gegenregulation, so dass Betroffene ständig unter Entzugs-Symptomen leiden“, beschreibt die Medizinerin diesen Effekt. „Nicht selten wird daraufhin die Dosis gesteigert. Dies führt in der Regel zu beachtlichen Nebenwirkungen wie Störungen der Konzentration und Merkfähigkeit sowie nachlassende körperliche Energie und emotionale Beteiligung. Daher wird die zweite Phase als Apathie-Phase bezeichnet.“ In einer dritten Phase zeigen sich immer mehr die Symptome einer Suchterkrankung: „Das Verlangen nach dem Medikament wird zwanghaft, andere Interessen treten in den Hintergrund. Entzugserscheinungen führen dabei oft zu einer weiteren Dosissteigerung.“

Die Forschungen Hunolds haben im Kern belegt, dass auch lang anhaltender Niedrig-Konsum zur Sucht führt und der Körper unter einem Dauer-Entzug steht. „Betroffene sollten auf keinen Fall langfristig Benzodiazepine konsumieren, sondern gemeinsam mit ihrem Hausarzt oder einem Facharzt nach alternativen Lösungen suchen“, rät die Chefärztin.

Auf die Idee, „im hohen Alter von 51 Jahren“, wie Petra Hunold selbst sagt, noch zu promovieren, hat sie übrigens ihr Ehemann gebracht. „Er hat mich regelrecht mit dem Thema belagert, und als dann mein damaliger Chef, Dr. Martin Gunga, ins gleiche Horn tutete, rückte eine Promotion für mich immer mehr in den Bereich des Vorstellbaren“, berichtet die Chefärztin. Nun sei sie sehr stolz, das ehrgeizige Projekt erfolgreich zu Ende geführt zu haben. Ihr Dank gilt insbesondere „Doktorvater“ Rüdiger Holzbach: „Ohne seine ausgesprochen freundliche, geduldige, aktive und ermunternde Unterstützung hätte ich das nie geschafft.“