26. Warsteiner Tag der Pflege beleuchtet die vielfältigen Herausforderungen an eine wichtige Berufsgruppe

151106 tag-der-pflege

Monika Stich (rechts), Leiterin des LWL-Fort- und Weiterbildungszentrums, hieß neben den Referenten der Fachtagung auch den Mittelkurs der LWL-Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe Lippstadt zum 26. Warsteiner Tag der Pflege willkommen. Foto: LWL/Brinkmann

rundschauPatienten, die in Fließbandarbeit gewaschen werden; Pflegende, die auf Inline-Skates durch die Krankenhausflure sausen, um Zeit zu sparen; Patienten-Übergaben, die ruck zuck am Tablet-PC erledigt werden – ein düsteres Zukunftsszenario haben Auszubildende der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein in ihrem Videofilm entworfen, den sie im Rahmen des 26. Warsteiner Tags der Pflege präsentierten. Doch wie ist es wirklich um die Pflege bestellt? Vor welchen Herausforderungen steht diese wichtige Berufsgruppe auch aufgrund der sich wandelnden Gesellschaft? Unter dem Titel „Traumatisiert, belastet, isoliert – Pflege ist gefordert“ gingen die Teilnehmer der Fachtagung diesen und anderen Fragen auf den Grund. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Fort- und Weiterbildungszentrum der Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) im Kreis Soest.

Klaus Stahl, Referatsleiter Wohn- und Pflegeangebote im LWL, hieß die Gäste willkommen und bezog zu einigen Problemfeldern deutlich Stellung. So sieht er besonderen Handlungsbedarf aufgrund der hohen Anzahl von Flüchtlingen aus Krisengebieten, die traumatisiert zu uns gelangen. Er sprach sich für ein Modellprojekt aus, demzufolge eine Behandlung schneller und unbürokratischer erfolgen könne. Allerdings befürchtet Stahl, „dass wir es nicht schaffen werden, für jedes Gespräch auch einen Dolmetscher vorzuhalten“. Weiterhin brach der LWL-Referatsleiter eine Lanze für die geplante, sehr kontrovers diskutierte gemeinsame Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern: „Anstatt zu befürchten, dass es dann schwierig werde, Personal für Pflegeeinrichtungen zu bekommen, ist es besser, die Altenpflege in die Ausbildung massiv einzubinden“, so seine Einschätzung.

Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Pflegende, „um diesen tollen Beruf wieder attraktiver zu machen“, forderte Guido Langeneke, stellvertretender Pflegedirektor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt. „Die Medien haben erkannt, dass Pflege aufgrund des Stellenabbaus an vielen Punkten überfordert ist“, so seine Feststellung. Bei allen Herausforderungen dürfe aber nicht übersehen werden, „welche Chancen sich unserer Berufsgruppe bieten“ – gerade mit Blick auf gesellschaftliche Veränderungen.

Einen Blick über den pflegerischen Tellerrand warfen die Auszubildenden des Mittelkurses der LWL-Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe. Dieser war nicht nur in die Vergangenheit und die Zukunft gerichtet, sondern vor allem auch in andere Länder. „Im Vergleich, etwa mit den USA und Schweden, wird deutlich, dass Pflegende in Deutschland schlechter ausgebildet und bezahlt werden und die Frustration aufgrund der Unterbesetzung höher ist“, zog Monika Stich, Leiterin des Fort- und Weiterbildungszentrums und Moderatorin der Tagung, ein Resümee, „das zum Nachdenken anregen sollte“.

Die Themen, denen sich die Referenten in ihren Vorträgen widmeten, beleuchteten ganz unterschiedliche Herausforderungen an Pflegende sowie auch mögliche Lösungsansätze. So stellte Prof. Dr. Michael Löhr ein Modell vor, das die Identifikation und somit die rechtzeitige Eindämmung von Konflikten in Klinikstationen zum Ziel hat. Mögliche neue Ansätze bei der Behandlung von Demenzkranken in somatischen Krankenhäusern zeigte Benjamin Volkmar auf. Über „Traumatisierung und Posttraumatische Belastungsstörung“ referierte Ulrich Kerzbeck. Mögliche Probleme bei der Pflege von Flüchtlingen verdeutlichte Soumia Moussa. Dr. Ali Kemal Gün hingegen stellte die Bedeutung interkultureller Kompetenz bei der Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund ins Zentrum seines Vortrags. In Workshops wurden diese Themen anschließend noch vertieft und diskutiert.