LUNA besucht die LWL-Klinik Lippstadt: „Seismograph der Gesellschaft“

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Dr. Martin Gunga, Petra Spiekerman (v.l.) und interessierte Lippstädter Unternehmerinnen beim Besuch der LWL-Klinik in Benninghausen (Foto Olk)

Einen informativen Abend, der vielfältig nachwirkte, hatten die Lippstädter Unternehmerinnen (LUNA), die der Einladung zu einer Besichtigung der LWL-Klinik Lippstadt in Benninghausen gefolgt waren.
Petra Spiekermann, Leiterin des Pflegedienstes der Abteilung Integrative Psychiatrie und Psychotherapie, ist seit langem interessierte Teilnehmerin der von der Wirtschaftsförderung Lippstadt angebotenen LUNA-Veranstaltungen.  Sie hatte, gemeinsam mit Dr. Martin Gunga, dem Chefarzt der Abteilung und stellvertretenden Ärztlichen Direktor, die Unternehmerinnen zu einem Besuch der Klinik eingeladen, bei dem die Gäste Wissenswertes über die Einrichtungen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) im Kreis Soest erfuhren und auch eine offen geführte Station der Abteilung Depressionsbehandlung besichtigen konnten.

Dr. Gunga fasste in seinem Vortrag zunächst einige wirtschaftliche Fakten zusammen. So ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit mehr als 2000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Kreis Soest. Der Bedarf an Behandlungen im Bereich der Depressionen steige exponentiell und sei bereits jetzt einer der größten und am schwierigsten zu kalkulierenden Kostenfaktoren für die gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

Die Ursachen für die starke Zunahme dieses Krankheitsbildes sieht Dr. Gunga hauptsächlich in den zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen. „Wir sind hier ein Seismograph der Gesellschaft“, so Dr. Gunga. “Lange bevor gesellschaftliche Entwicklungen von den Medien aufgegriffen und thematisiert werden, haben wir hier die entsprechenden Krankheitsbilder zur Behandlung.“ Wirtschaftliche Entwicklungen einer Region werfen dabei ebenso einen Schatten wie die verminderte Planbarkeit von Lebensläufen. Die sog. Subjektivierung (jeder Einzelne ist für sich und seinen Erfolg verantwortlich – er wird danach beurteilt und beurteilt sich auch entsprechend selbst), neue Arbeitsformen und neue Kommunikationsmedien gehören zum Potpourri der Verursacher seelischer Störungen. Endogene (innere) Ursachen spielten daneben bei psychischen Erkrankungen auch weiterhin zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz eine Rolle, betonte der erfahrene Facharzt.