Psychiatrische Akutstationen können zu sicheren und heilsamen Orten werden

Herausfordernde loer_michaelSituationen im psychiatrischen Versorgungsgeschehen können durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden: Neben aggressivem Verhalten der Patienten, unter Umständen bedingt durch wahnhaftes Erleben, die Intoxikation mit Rauschmitteln oder Fluchtabsichten, können Absichten der Selbstschädigung zu einer herausfordernden Situation führen. Auch können Konflikte und die daraus entstehenden Eindämmungsversuche und Einschränkung durch Mitarbeiter und Settingfaktoren beeinflusst werden. Die Frage von Konfliktvermeidung und der Vermeidung von evtl. Einschränkungen hat sich Prof. Len Bowers und Kollegen zum Ziel gesetzt.

Mit ihrem „Safewards-Modell“ und den daraus resultierenden Interventionen versuchen Sie, genau die Zusammenhänge zu erklären und Konflikte und deren Eindämmungsversuche zu reduzieren. Beide hängen eng miteinander zusammen und müssen vielschichtig bearbeitet werden. Bei dem Safward-Modell handelt es sich um einen wichtigen Beitrag, um Pflegenden evidenzbasierte Interventionen an die Hand zu geben, damit Konflikte und Eindämmungen reduziert werden. Das dient dazu Stationen in der Akutpsychiatrie, auf partizipative Weise, für alle Beteiligten, sicherer zu machen. Die Patientenfokussierung steht in dieser komplexen Intervention im Mittelpunkt. Dank der Arbeit von Prof. Len Bowers und seinem Team konnte, aufgrund der weitreichenden Forschungsaktivitäten in diesem Feld, die komplexe Intervention „Safewards“ entwickelt und beforscht werden. Prof. Bowers konnte zeigen, dass sich mit der Intervention Konflikte und Eindämmungsmaßnahmen reduzieren lassen. In enger Zusammenarbeit mit Prof. Len Bowers konnte Prof. Dr. Michael Löhr (Fachhochschule der Diakonie) die Intervention für den deutschen Sprachraum übersetzten. Die Intervention steht der Fachwelt und der Öffentlichkeit frei im Internet zur Verfügung (www.safewards.net). Die Umsetzung dieses Projektes war nur möglich, da sich viele Institutionen und Organisationen finanziell daran beteiligt haben (Fachhochschule der Diakonie, Konferenz Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren Psychiatrischer Institutionen der Schweiz, Dachverband Adherence e.V., LWL-Klinik Herten, LWL-Klinikum Gütersloh, LWL-Klinik Lengerich, LWL-Klinik Warstein, Ev. Krankenhaus Bielefeld, Deutsche Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege, Sanatorium Kilchberg (Schweiz), Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie (Deutschland)). Prof. Dr. Löhr freut sich nun auf den Umsetzungsprozess. „Es gibt schon heute viele Kliniken, die an einer Umsetzung interessiert sind. Mit dieser Intervention bekommen Mitarbeiter psychiatrischer Einrichtungen wissenschaftlich gesichertes Handwerkszeug an die Hand. Wir freuen uns einen kleinen Beitrag zur besseren Versorgung leisten zu können.“ Bei Fragen und Anregungen, können Sie gerne Herrn Prof. Dr. Löhr kontaktieren (michael.loehr@fhdd.de).