Mühsamer Weg aus der Sprachlosigkeit: Buchautor Uwe Grefe berichtet in LWL-Akademie Lippstadt von seinen Erfahrungen als Aphasiker

Schulleiterin Anja Henrichs (links) und Lehrerin Annette Krumtünger hießen Buchautor Uwe Grefe in der LWL-Akademie Lippstadt willkommen. Foto: LWL/Brinkmann

Schulleiterin Anja Henrichs (links) und Lehrerin Annette Krumtünger hießen Buchautor Uwe Grefe in der LWL-Akademie Lippstadt willkommen. Foto: LWL/Brinkmann

Es ist ein ganz normaler Sommertag im Jahr 1989, als für Uwe Grefe ein regelrechter Alptraum beginnt. Der damals 34-jährige Familienvater erleidet eine Hirnblutung, die dazu führt, dass er nicht mehr sprechen kann. Aphasie lautet der Fachbegriff für dieses Phänomen. Hinzu kommen Rechenprobleme und Gedächtnisstörungen. Seine Erfahrungen und seinen mühsamen Weg aus der „Sprachlosigkeit“ hat der Lemgoer in dem Buch „3 + 4 = 8“ festgehalten. Jetzt war Uwe Grefe zu Gast in der LWL-Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe Lippstadt. Er las den Auszubildenden der Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Lippstadt und Warstein aus seinem Buch vor und stand ihnen für Fragen zur Verfügung.

„Was ein Aphasiker durchmacht, kann man als Nicht-Betroffener kaum nachvollziehen“, sagt Uwe Grefe. Die Schülerinnen und Schüler hören ihm aufmerksam zu, auch wenn ihm das eine oder andere Wort nicht gleich beim ersten Versuch über die Lippen kommen will. Gebannt folgen sie den Schilderungen des Autors, die bei den ersten Symptomen der Hirnblutung und dem einsetzenden Verlust der Sprechfähigkeit beginnen. Bei einer Not-Operation wird ihm das Leben gerettet, doch er muss feststellen, dass er sich mit Worten nicht mehr verständigen kann. Obwohl bei klarem Verstand, hat er auch die Fähigkeit zu schreiben und zu rechnen verloren. „Ich bin doch nicht blöd, oder doch?“, beschreibt Grefe seine Gedanken zu dieser Zeit.

Für Uwe Grefe beginnt ein langer Leidensweg, doch er gibt nicht auf. Im Krankenhaus und später dann in der Reha gelingt es ihm, Schritt für Schritt seine Sprache wieder zu erlangen. Bis er schließlich entlassen wird und wieder ein eigenständiges Leben führen kann, vergehen eineinhalb Jahre. Während dieser Zeit beginnt er auch, seine Erlebnisse schriftlich festzuhalten. „Ich habe an einem Computerkurs teilgenommen und wollte als eine Übung aufschreiben, was passiert ist“, berichtet Grefe. Dass daraus ein Buch wird, das inzwischen in der vierten Auflage erschienen ist und 4000-mal verkauft wurde, ahnte er damals noch nicht. Auch nicht, dass er selbst an Universitäten und bei Kongressen daraus vorlesen würde.

Quelle: aphasiehomepage.de von Uwe Grefe

Quelle: aphasiehomepage.de von Uwe Grefe

Sehr praxisnah stellt Grefe darin auch einzelne Übungen vor, mit deren Hilfe er das Sprechen wieder erlernt hat. Darüber hinaus hat er mehrere Aphasie-CDs und Übungsbücher mit Übungen für Aphasiker entwickelt, um sein Wissen an andere Betroffene sowie an Fachkräfte, die mit diesen therapeutisch arbeiten, weiter zu geben. So zeigen sich die Auszubildenden der LWL-Akademie, von denen einige bei Einsätzen in somatischen Krankenhäusern bereits mit betroffenen Patienten zu tun hatten, sehr interessiert an diesen Möglichkeiten der Hilfestellung.

„Es ist uns wichtig, unseren Schülerinnen und Schülern nicht nur pflegerisches Fachwissen zu vermitteln, sondern auch ihren persönlichen Horizont zu erweitern“,  sagt Anja Henrichs, Leiterin der LWL-Akademie Lippstadt. „Mit dieser Lesung möchten wir ihnen die Möglichkeit geben, die Sichtweise eines an Aphasie leidenden Menschen kennen zu lernen und somit mehr Verständnis für Patientinnen und Patienten zu entwickeln.“

In diesem Zusammenhang haben einige Auszubildende im Dezember die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund besucht, wo sie sich unter anderem zum Thema Arbeitsmedizin informieren konnten. In einem weiteren Vortrag konnten sie sich Schülerinnen und Schüler im Januar aus erster Hand Wissenswertes zu den Themen Organspende und Herztransplantation erfahren.

Die LWL-Akademie Lippstadt, Ausbildungsstätte der psychiatrischen Kliniken in Lippstadt und Warstein, bietet 125 Ausbildungsplätze in der Gesundheits- und Krankenpflege. Durch Kooperationen mit Allgemein-Krankenhäusern in Lippstadt, Warstein, Meschede, Erwitte, Soest, Hamm und Oelde sowie ambulanten Pflegediensten lernen die Schülerinnen und Schüler neben der psychiatrischen auch die somatische Pflege kennen. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und wird mit dem Staatsexamen abgeschlossen.