Klinikchef mit Struktur und Leidenschaft: „LWL-Urgestein“ Dr. Josef Leßmann als Ärztlicher Direktor der Kliniken Warstein und Lippstadt verabschiedet

Dr. Josef Leßmann (links) freut sich, dass mit Dr. Volkmar Sippel ein kompetenter Nachfolger das Amt des Ärztlichen Direktors an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein übernehmen wird. Fotos: LWL/Brinkmann

Dr. Josef Leßmann (links) freut sich, dass mit Dr. Volkmar Sippel ein kompetenter Nachfolger das Amt des Ärztlichen Direktors an den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein übernehmen wird. Fotos: LWL/Brinkmann

Für Landesdirektor Matthias Löb ist er ein „ausgezeichneter Botschafter“ der Psychiatrie, für seine Kollegen vom Arbeitskreis der Ärztlichen Direktoren ein „LWL-Urgestein und richtig gutes Vorbild“: Mit der Verabschiedung von Dr. Josef Leßmann als Ärztlichem Direktor ist an den Kliniken des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Lippstadt und Warstein eine Ära zu Ende gegangen. Zum 1. Januar übernimmt Dr. Volkmar Sippel diese Position, der zuvor an zwei Kliniken in Süd-Dänemark in Leitungsfunktion tätig war, und über umfangreiche Erfahrung auf dem Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie verfügt.

Auch pflegedirektor Magnus Eggers bedanken sich für die gute Zusammenarbeit.

Auch pflegedirektor Magnus Eggers bedanken sich für die gute Zusammenarbeit.

Wer „so lange, so erfolgreich und mit so großem Engagement“ im Dienst sei, dem gebühre der Dank des Trägers, betonte Löb in seiner Ansprache. Er wertete es als Leßmanns „wichtigsten Beitrag“, die Zusammenführung der LWL-Kliniken in Warstein und Lippstadt „mit Bravour umgesetzt“ zu haben: „Kein Standort ist hinten rüber gefallen, stattdessen verfügen die Kliniken nun über ein sehr viel größeres, ausdifferenziertes Spektrum – mit  420 stationären Betten und 51 Tagesklinik-Plätzen eine der größten Einrichtungen bundesweit.“ Bei allem sei Leßmann „immer auch Impulsgeber“ gewesen, „damit wir als Psychiatrie-Verbund nicht abgehängt werden“.

Dr. Ewald Rahn, als sein Stellvertreter einer der engsten Mitarbeiter des scheidenden Ärztlichen Direktors, sprach von einer Ära, die geprägt sei durch „Leidenschaft für Veränderungen, um Bestehendes zu erhalten“. Rahn erinnerte an die Rahmenbedingungen, unter denen Leßmann 1996 die Leitung der „ein bisschen auf der Abschussliste“ stehenden Warsteiner Klinik übernommen hatte, und berichtete: „Wir haben der schlechten Prognose ein Schnippchen geschlagen“, was vor allem der „Jetzt erst recht“-Mentalität seines Vorgesetzten zu verdanken gewesen sei.

Eine Skulptur mit „LWL-Urgestein“ hatte Dr. Stefan Bender, Sprecher des Arbeitskreises Ärztlicher Direktoren, für seinen aus dem Amt scheidenenden Kollegen mitgebracht.

Eine Skulptur mit „LWL-Urgestein“ hatte Dr. Stefan Bender, Sprecher des Arbeitskreises Ärztlicher Direktoren, für seinen aus dem Amt scheidenenden Kollegen mitgebracht.

Worte des Dankes und der Anerkennung richtete auch Dr. Stefan Bender, Sprecher des Arbeitskreises Ärztlicher Direktoren, an seinen aus dem Amt scheidenden Kollegen : „Du bist ein toller Kerl, ein hilfsbereiter Kollege, der offen und wertschätzend auf andere zugeht.“ Er verlieh diesem nicht nur den Titel „LWL-Urgestein“, sondern überreichte ihm auch eine Skulptur mit Gestein aus dem ältesten LWL-Standort Marsberg. Ganz besonders schätze er seine typisch westfälischen Eigenschaften „Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Struktur“, die aber in „gelungener Dialektik mit fast schon mediterraner Lockerheit, Kreativität und Flexibilität stehen – das ist die Leßmann’sche Melange“.

LWL-Direktor Matthias Löb würdigte die die Verdienste Dr. Josef Leßmanns um die Klinik-Standorte Lippstadt und Warstein.

LWL-Direktor Matthias Löb würdigte die die Verdienste Dr. Josef Leßmanns um die Klinik-Standorte Lippstadt und Warstein.

Die Vorgabe, nicht angebotsorientiert, sondern bedarfsorientiert zu arbeiten, die Einführung der diagnosespezifischen Konzepte und die damit erzielte Steigerung der Nachfrage und des Renommees der Kliniken – all dies sei nur möglich gewesen, weil „Mitarbeiter und Kollegen diese Aufgaben zu ‚ihrem Ding‘ gemacht haben“, bedankte sich Leßmann bei allen, die „diesen intensiven, langen Weg mit mir gemeinsam gegangen sind“. Neben Kooperationspartnern und Zuweisern galt sein Dank auch dem Landschaftsverband, „weil Sie mir auch den Freiraum gelassen haben, zu gestalten“. „Vergessen Sie nicht: Sie können was, Sie haben schon viel geleistet, und die Arbeit gibt Ihnen auch Sinn“, gab er allen Mitarbeitern mit auf den Weg. Seinem Nachfolger Dr. Volkmar Sippel wünschte er „Glück, gutes Durchhaltevermögen und Gottes Segen“.

Den psychiatrischen Kliniken den Rücken kehren, wird Leßmann jedoch nicht. Im Haus „Röntgen“ (Gebäude 51 auf dem Warsteiner LWL-Gelände) wird er ein Büro beziehen und auch weiterhin ambulant Patienten behandeln, Vertretungsdienste übernehmen und als Gutachter tätig sein. Er freut sich aber vor allem darauf, nun mehr Zeit für seine Familie zu haben, zum Beispiel für Reisen mit seiner Ehefrau Monika.

Zur Person

Dr. Josef Leßmann ist 1956 in Höxter geboren. Nach seinem Medizinstudium in Heidelberg, Göttingen und Bremen, das der LWL mit einem Stipendium unterstützte, trat er 1984 als Assistenzarzt in den Dienst der damaligen Suchtfachklinik Stillenberg. 1986 wechselte er an die psychiatrische Klinik Warstein und leitete von 1992 an die Abteilung Suchtmedizin. Nach dem Ausscheiden seines Vorgängers Dr. Rolf Beier übernahm Leßmann zunächst kommissarisch und am 1. Juli 1996 dann hauptamtlich die ärztliche Leitung der Klinik. In seine Amtszeit fallen die Fusion der Fachklinik Stillenberg mit der psychiatrischen Klinik 1996/1997 sowie zeitgleich die Trennung der Akut-Klinik vom Langzeitbereich, die zur Gründung von LWL-Pflegezentrum und LWL-Wohnverbund führte. Seit dem 1. Januar 2001 ist er außerdem Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Lippstadt.

Seit 32 Jahren lebt Leßmann mit Ehefrau Monika in Warstein, dort sind auch ihre drei inzwischen erwachsenen Kinder aufgewachsen. Dank seines Engagements im Männergesangverein (MGV), dessen Vorsitz er viele Jahre innehatte, und als Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung Warstein ist er in der Wästerstadt nicht nur als Klinikleiter bekannt. Unvergessen sind für viele seine Beiträge als Stimmungssänger beim Karneval des MGV, in denen sich der Psychiater stets von einer sehr menschlichen, humorvollen Seite zeigte.