Forensik engagiert gegen häusliche Gewalt: Spende an Kreisjugendamt ermöglicht auch weiterhin ambulantes Therapieangebot

160713spende-zfp

Gudrun Hengst und Marianne Schaefer nahmen den symbolischen Scheck von Pflegedirektor Bernd Sternberg und der Ärztlichen Direktorin Dr. Nahlah Saimeh entgegen (von rechts). Foto: LWL/Brinkmann

Das LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie (ZFP) Lippstadt engagiert sich auch in diesem Jahr wieder für die ambulante Therapie von Männern, die häusliche Gewalt ausüben. Die Ärztliche Direktorin Dr. Nahlah Saimeh und Pflegedirektor Bernd Sternberg überreichten eine sachgebundene Spende über 2000 Euro an Gudrun Hengst von der Kreiskooperationsrunde „Häusliche Gewalt“ und Marianne Schaefer, Leiterin des Sachgebiets Frühe Hilfen und Kinderschutz des Kreisjugendamts. Ziel ist es, Männer zu unterstützen, die sich aus dem Teufelskreis der Beziehungsgewalt lösen möchten, sich aber eine Behandlung selbst ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten können.

Perspektivwechsel

„Als Forensische Klinik kommen wir ja üblicherweise erst ins Spiel, wenn bei psychisch kranken Gewaltstraftätern schon eine geraume Zeit vorher viele rote Ampeln überfahren wurden. Da freut uns, wenn wir durch eine solche Spende auch frühzeitig helfen können“, sagt Dr. Saimeh. Die Behandlung erfolge durch selbstständige Psychotherapeuten, die durch ihre Tätigkeit für die forensische Fachklinik über große Erfahrungen in der Therapie von Gewalttätern verfügen.

„Außenstehenden ist oft nicht bewusst, dass auch den Tätern geholfen werden muss, um die Opfer zu schützen“, berichtet Gudrun Hengst. „Eine Veränderung im Verhalten kann man jedoch nur erreichen, wenn man andere Handlungskonzepte aufzeigt.“ Pflegedirektor Bernd Sternberg weiß: „Häusliche Gewalt geht längst nicht nur von psychisch kranken Straftätern aus. Viele der beteiligten Männer scheitern an ihrem Rollenbild als Mann, an den sozialen Erwartungen in Leben und Beziehung.“

Möglich wurde die Spende, indem auf ein abendliches Unterhaltungsprogramm im Rahmen der Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie verzichtet wurde. Die Fachtagung lockte im März dieses Jahres wieder 500 Fachleute nach Eickelborn. „Mittel aus dem Budget der Forensik dürfen dazu nicht verwendet werden“, so Dr. Saimeh abschließend.