Mit Wertschätzung und Herzlichkeit: Chefarzt Dr. Martin Gunga tritt nach 34 Jahren beim LWL in den Ruhestand – stellvertretender Ärztlicher Direktor und „Vater der Tageskliniken“

Dr. Martin Gunga

Der Ärztliche Direktor Dr. Josef Leßmann (rechts) und Petra Spiekermann, Leiterin des Pflegedienstes der Abteilung IPP, nahmen mit zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein Abschied von Dr. Martin Gunga. Foto: LWL/Eva Brinkmann

nrz„Ich wurde in den psychiatrischen Kosmos geschossen und lande jetzt nach 12.420 Tagen wieder auf der Erde“, hat Dr. Martin Gunga ausgerechnet. 34 Jahre lang wirkte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Lippstädter Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) sowie seit 2001 zusätzlich an der LWL-Klinik Warstein. Als stellvertretender Ärztlicher Direktor am Standort Lippstadt sowie Chefarzt der Abteilung Integrative Psychiatrie und Psychotherapie (IPP) hatte Gunga wesentlichen Anteil an der konzeptuellen Weiterentwicklung beider Klinken und den daraus resultierenden Erfolgen. Am 1. Oktober wird der von Patienten und Kollegen gleichermaßen geschätzte Mediziner in den Ruhestand treten. Die ärztliche Leitung der Abteilung IPP wird kommissarisch Dr. Petra Hunold übernehmen, die bereits der Abteilung Depressionsbehandlung als Chefärztin vorsteht.

„Du hinterlässt eine deutliche Lücke“, ist Dr. Josef Leßmann, Ärztlicher Direktor der beiden LWL-Kliniken, überzeugt. Schließlich seien die LWL-Tageskliniken im Kreis Soest Gungas „Kinder“, die er aufgebaut und erfolgreich geführt habe. Auch die Zahlen der ebenfalls zur Abteilung IPP gehörenden Institutsambulanzen, die in den vergangenen Jahren „permanent zugenommen“ hätten, sprächen für sich. „Wir werden die Arbeit dort in deinem Sinne fortsetzen“, kündigte Leßmann an und sprach Gunga für seine Verdienste herzlichen Dank aus. Dem schloss sich auch Petra Spiekermann an, Leiterin des Pflegedienstes der Abteilung IPP, und betonte, Gungas Arbeit sei „stets geprägt durch Wertschätzung und Herzlichkeit“.

Früh Interesse an der Psychiatrie

Dr. Martin Gunga (Jahrgang 1952) entwickelte als Sohn des Anstaltspfarrers und einer Ärztin, die beide an der Klinik in Benninghausen tätig waren, schon früh Interesse an der Psychiatrie. Da zwischen ihm und der Verwirklichung des „Traums vom Medizinstudium“ zehn Wartesemester lagen, nutzte er diese Zeit für ein Studium der evangelischen Theologie, das er 1975 mit dem Examen abschloss. So kam es, dass er während seines Studiums der Humanmedizin in Münster mehrere Jahre in der Krankenhausseelsorge der Klinik wirkte. Nach der Promotion im Jahr 1983 entschloss er sich, auch seine Facharzt-Ausbildung in den Disziplinen Neurologie und Psychiatrie dort zu absolvieren. 1989 erhielt er die Zusatzbezeichnung Psychotherapie, 1998 die Anerkennung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

160927dr-gunga2Als im Jahr 2001 die enge inhaltliche Kooperation mit der Klinik in Warstein beschlossen wurde, übernahm Gunga standortübergreifend die Chefarztposition der Abteilung IPP, zu der heute die Tageskliniken und Institutsambulanzen in Lippstadt und Warstein sowie die Tagesklinik in Soest gehören. Zudem wurde ihm die stellvertretende ärztliche Leitung der LWL-Klinik Lippstadt übertragen.

Gunga gilt als Wegbereiter der teilstationären Angebote beider psychiatrischer Fachkliniken. Bereits Mitte der 1990-er Jahre sorgte er mit seinem Team für den Aufbau einer Psychotherapiestation in Eickelborn. „Ein Riesenschritt nach vorne“, wie er rückblickend sagt – und mit der Eröffnung der LWL-Tagesklinik im Lippstädter Stadtzentrum, der auch die Ambulanz angeschlossen wurde, folgte 1998 ein weiterer. Auch in Warstein konnte 2001 eine Tagesklinik eröffnen. 2005 folgte mit Soest ein weiterer Standort: „Durch die direkte Anbindung an das benachbarte Marienkrankenhaus sind die Bedingungen dort ideal“, so Gunga. Zum Erfolg des Angebots im Kreis Soest hätten aber vor allem die „guten Teams mit ihrem fachlichen Know-how aus ganz verschiedenen Berufsgruppen“ beigetragen.

Wandel des Psychiatrie-Bilds

Auch wenn sich das Bild der Psychiatrie in den vergangenen 34 Jahren grundlegend gewandelt habe und heute etwa der Bedarfsorientierung „ein viel größerer Stellenwert“ zukomme, habe er sein Tätigkeitsfeld stets als „Kaleidoskop des Menschseins“ empfunden, sagt Gunga: „Es ist immer wieder interessant, neue Zusammenhänge zu erkennen und etwas zu bewegen. In unserem Fach können wir nicht alles lösen, aber erträglicher machen – und in vielen Fällen richtig helfen.“

So sind es auch die Menschen – Patienten ebenso wie Mitarbeiter und Kollegen –, die ihm im neuen Lebensabschnitt am meisten fehlen werden, glaubt Gunga. Als Gutachter im nervenärztlichen Fachgebiet wird er jedoch ebenso weiterhin tätig sein wie als Referent fachspezifischer Vorträge – insbesondere zu Erschöpfungssyndromen sowie Zusammenhängen psychischer Probleme mit der Zahnmedizin. Darüber hinaus strebe er vor allem „die Freiheit der Entscheidung darüber an, was man macht“ – an der Seite von Ehefrau Monika, die ihn während der 34-jährigen psychiatrischen Laufbahn „immer wieder geerdet“ habe.