Betreuung und Pflege seit 175 Jahren: LWL-Einrichtungen in Geseke feiern Jubiläum und veröffentlichen Broschüre und Kochbuch

62444

Blick in die heutige Gartenanlage des „Hauses am Klostergarten“. Foto: LWL

Zum 175-jährigen Jubiläum der LWL-Einrichtungen am Standort Geseke (Kreis Soest) wird der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eine Broschüre zur Geschichte der Einrichtungen und ein aktuelles Kochbuch veröffentlichen.

Eine Anstalt für „unheilbar körperlich Kranke, die der gesunden Umgebung gefährlich waren“ zu errichten – diesen Plan hatte die Verwaltung der Provinz Westfalen im Jahr 1841 in die Tat umgesetz: Gemäß einer Verfügung des Oberpräsidenten, Freiherr Ludwig von Vincke, wurde das ehemalige Franziskanerkloster in Geseke für die Unterbringung und Pflege dieses Personenkreises hergerichtet.

In der Abteilung Apparatebau wurden Materialien für die Wehrindustrie gefertigt (um 1940). Foto: Stadtarchiv Geseke

In der Abteilung Apparatebau wurden Materialien für die Wehrindustrie gefertigt (um 1940).
Foto: Stadtarchiv Geseke

175 Jahre später werden an derselben Stelle noch immer Menschen betreut und gepflegt, allerdings nicht mehr hinter Klostermauern, sondern im 2011 fertig gestellten „Haus am Klostergarten“, das zum LWL-Pflegezentrum Lippstadt gehört. In unmittelbarer Nähe, am Alten Steinweg, hat der LWL-Wohnverbund Lippstadt außerdem im Jahr 2002 ein Wohnheim eröffnet. Beide Einrichtungen in Trägerschaft des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) nehmen das Jubiläum zum Anlass, gemeinsam mit den Bewohnern, deren Angehörigen und Betreuerinnen sowie Interessierten ein Sommerfest zu feiern.

Auf eine wechselvolle Geschichte blicken die LWL-Einrichtungen in Geseke zurück. Als im Jahr 1841 die ersten Pfleglinge in das ehemalige Klostergebäude an der Bachstraße einzogen, unterstand die Provinz Westfalen noch der preußischen Regierung. Zielsetzung war damals vor allem, die Bevölkerung vor „Kranken mit abschreckenden Leiden“ zu schützen. Die Krankenpflege wurde in die Hände von Ordensschwestern aus dem Mutterhaus des Heiligen Vincenz von Paul in Paderborn gelegt. Pfleglinge sollten sich, sofern sie dazu körperlich in der Lage waren, „zum Nutzen der Anstalt beschäftigen“, wie es in den Verhaltensregeln aus dem Jahr 1867 heißt. Dazu zählten nicht nur Tätigkeiten im häuslichen Bereich, sondern zum Beispiel auch in der Landwirtschaft. Später kamen Auftragsarbeiten für regionale Wirtschaftsbetriebe hinzu. Immer wieder sorgten politische Veränderungen für eine konzeptuelle Neuausrichtung der Provinzial-Pflegeanstalt. Gesellschaftliche Entwicklungen erforderten eine ständige Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist, um den Fortbestand der Einrichtung sicher zu stellen.

Besonders deutlich wird dies zur Zeit des Nationalsozialismus: Die regimetreue Leitung verfolgte das Ziel, die Einnahmen der Anstalt zu erhöhen, indem mehr als 80 Prozent der „Insassen“ einer Beschäftigung nachgingen – sei es im hauseigenen Apparatebau, wo Materialien für die Wehrindustrie gefertigt wurden, oder in den umliegenden Zementwerken und anderen Betrieben.

Spezielle Bewegungsangebote des LWL-Pflegezentrums helfen, die Motorik der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhalten und zu fördern. Foto: LWL

Spezielle Bewegungsangebote des LWL-Pflegezentrums helfen, die Motorik der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhalten und zu fördern.
Foto: LWL

Die Behandlung psychisch erkrankter Menschen stand dann ab 1953 im Vordergrund, als der LWL die Trägerschaft übernahm und die „Landespflegeanstalt“ umbenannt wurde in „Westfälisches Landeskrankenhaus“ (ab 1987 „Westfälische Klinik für geriatrische Psychiatrie“).

Im Zuge der geänderten Kostenstruktur im Gesundheitswesen wurde das Haus in Geseke jedoch 1995 aus dem Krankenhausplan des LWL gestrichen, da dort überwiegend Menschen lebten, die kein Krankenhaus brauchten. Es folgte die Angliederung an das damalige Pflege- und Förderzentrum in Benninghausen, dem Vorläufer des LWL-Pflegezentrums und LWL-Wohnverbunds Lippstadt.

Heute werden die Menschen, die in den beiden Geseker Häusern leben, gemäß spezialisierter, moderner Konzepte gepflegt und gefördert. So leben im „Haus am Klostergaten“ an der Bachstraße 80 Pflegebedürftige nach den Vorgaben des Pflegeversicherungsgesetzes. Schwerpunkte liegen dabei auf der Pflege und Betreuung von Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen und/oder Suchterkrankungen sowie gerontopsychiatrischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung. Die drei Wohngruppen verfügen über differenzierte Angebote, die auf den jeweiligen Personenkreis zugeschnitten sind.

Das Wohnheim am Alten Steinweg mit 24 Plätzen hingegen bietet Betreuungs- und Förderangebote im Sinne der Behindertenhilfe. Diese richten sich an Menschen mit sehr unterschiedlichen Einschränkungen, die von einer Intelligenzminderung bis hin zu einer psychischen Erkrankung und/oder einer Suchterkrankung reichen. Ziel des LWL-Wohnverbunds ist es, ihnen zu helfen, mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und somit mehr Selbstständigkeit zu erlangen. Gemäß dem Inklusionsgedanken sollen die Bewohner im Rahmen ihrer Möglichkeiten befähigt werden, das stationäre Setting zu verlassen, um ihnen ein Leben in ambulant betreuten Wohnformen zu ermöglichen.

Die Menschen, die im Haus des LWL-Wohnverbunds leben, werden im Sinne des Inklusionsgedankens gefördert, zum Beispiel indem sie Einkaufslisten selbst zusammenstellen. Foto: LWL

Die Menschen, die im Haus des LWL-Wohnverbunds leben, werden im Sinne des Inklusionsgedankens gefördert, zum Beispiel indem sie Einkaufslisten selbst zusammenstellen.
Foto: LWL

Die Geschichte der LWL-Einrichtungen am Standort Geseke hat Helmut Monzlinger, Beauftragter für regionale Psychiatriegeschichte der LWL-Einrichtungen im Kreis Soest, in einer Broschüre zusammengefasst, die anlässlich der 175-Jahr-Feier veröffentlicht wird. Historische Dokumente und Fotografien veranschaulichen den Wandel von der einstigen Provinzial-Heilanstalt zum „Haus am Klostergarten“ und dem Wohnheim am Alten Steinweg. Dabei wird auch die besondere Beziehung der Geseker Bevölkerung zu „Ihrer Landespflege“ beleuchtet.

Kochbuch zum Jubiläum

Zum Jubiläum ebenfalls erscheinen wird ein ganz besonderes Kochbuch, das mit viel Liebe zum Detail von der Kochgruppe des LWL-Pflegezentrums unter Leitung von Corrie Puite erstellt wurde. Auf 140 Seiten finden sich darin handgeschriebene Rezepte für internationale Spezialitäten: von der Chinesischen Kohlsuppe über Couscoussalat mit Apfelteedressing und Kubanischem Geflügelcurry bis hin zu Kokusnusscreme und Spaghetti-Kuchen.

Ansicht des Männergartens (1950-er Jahre). Foto: Verein für Heimatkunde Geseke e.V.

Ansicht des Männergartens (1950-er Jahre).
Foto: Verein für Heimatkunde Geseke e.V.

Interessierte, die das stolze Jubiläum gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern feiern möchten, haben am Freitag, 26. August, von 15 bis 17 Uhr Gelegenheit dazu. Dann besteht auch die Möglichkeit, das „Haus am Klostergarten“ an der Bachstraße und das Wohnheim des LWL-Wohnverbunds am Alten Steinweg näher kennen zu lernen. Die Jubiläumsbroschüre (3 Euro) und das Kochbuch (7 Euro) können von diesem Tag an über die Internetseiten der LWL-Einrichtungen bestellt werden unter: http://www.lwl-pflegezentrum-lippstadt.de oder http://www.lwl-wohnverbund-lippstadt.de. Außerdem sollen sie demnächst an verschiedenen Verkaufsstellen in Geseke erhältlich sein.